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Reform der gymnasialen Oberstufe - 10 Fragen und Antwortversuche

Chemnitz hat sieben leistungsfähige städtische Gymnasien (siehe unten). Sie vermitteln Schülern aus Chemnitz und der Region mit entsprechenden Begabungen und Bildungsabsichten eine vertiefte Allgemeinbildung, die für ein Hochschulstudium vorausgesetzt wird. Sie schaffen aber auch Voraussetzungen für eine berufliche Bildung außerhalb der Hochschule. Das Gymnasium umfasst die Klassen 5 bis 12, schließt mit der Abiturprüfung ab und verleiht die allgemeine Hochschulreife. Die Klassen 5 und 6 haben Orientierungsfunktion, um den Schülern die Möglichkeit zur Wahl der angebotenen Profile zu geben. In den Klassenstufen 8 bis 10 (Mittelstufe oder Sekundarstufe I) erfolgt das Lernen in folgenden Profilen:

· sprachlich (mit Unterricht in einer dritten Fremdsprache)
· mathematisch-naturwissenschaftlich (mit umfangreichem Unterricht in Physik, Chemie und Biologie)
· musisch (mit umfangreichem Unterricht in Musik, Kunsterziehung und Darstellendem Spiel)
· sportlich (mit umfangreichem Sportunterricht)

Im Wahlbereich werden weiter Grundkurse (z.B. Astronomie, Informatik oder Philosophie) sowie Arbeitsgemeinschaften angeboten.

Die Klassenstufen 11 und 12 (gymnasiale Oberstufe oder Sekundarstufe II) sollen zukünftig wieder weitgehend gemeinsam im Klassenverband zum Abitur geführt werden. Das ist eine Anregung vieler Eltern, Schüler und Pädagogen gewesen, die gute Bereiche des Schulsystems vor 1990 aufgreifen wollen. Das komplizierte Kurssystem wird reduziert. Aber auch die Möglichkeit, schwierige oder unangenehme Fächer abzuwählen, wird im Sinne einer notwendigen Verbesserung der persönlichen Kompetenzen eingeschränkt. Gut und breit ausgebildete junge Menschen haben die Chance, Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsplätze für Sachsen kompetent auszufüllen.

In den vergangenen Jahren haben Arbeitsgruppen an einer Reform der gymnasialen Oberstufe gearbeitet. Zielstellung war, die Leistungsfähigkeit und Fächerbreite trotz deutlich zurück gehender Schülerzahlen sicherzustellen. Berücksichtigt werden mussten die Vorgaben der Kultusministerkonferenz, um eine weitgehende Einheitlichkeit in Deutschland herzustellen. Der Entwurf wurde vor einigen Wochen der Fachöffentlichkeit an den Schulen zur Diskussion zugestellt.

Kursbereich:
Leistungskurs 1: Deutsch oder Mathematik (5h)
Leistungskurs 2: Deutsch oder Mathematik oder fortgeführte Fremdsprache (5h)
Grundkurs: Deutsch, Mathematik oder Fremdsprache, wenn nicht bereits LK (4h)

Klassenverband:
Kunst oder Musik (2h)
Englisch oder weitere fortgeführte Fremdsprache (3h)
Geschichte (2h)
Gemeinschaftskunde/ Recht/ Wirtschaft (2h)
Geografie (2h)
Biologie (2h)
Chemie (2h)
Physik (2h)
Religion oder Ethik (2h)
Sport (2h)

Wahlbereich (zur Substitution mit Pflichtbereich - Klassenverband):
Astronomie, Informatik, Philosophie, fachübergreifender Grundkurs (2h)
Fakultativ: besondere Lernleistung (2h)

Die Gespräche, die ich hierzu mit Vertretern aus Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft führen durfte, und für die ich herzlich danke, auch wenn sie noch nicht abgeschlossen sind, zeigen ein sehr differenziertes Stimmungsbild. Von nachhaltiger Zustimmung bis zu Enttäuschung. Viele Gegenstimmen konnten und können aber entkräftet werden, wenn man sich (1) mit den Zielstellungen einmal genau beschäftigt (und nicht nur vorformulierte Massen-Mails abschickt) und (2) das Angebot zur Einreichung von Verbesserungsvorschlägen wahrnimmt.

1. Warum kommt die Reform so plötzlich und soll über den Sommer schnell verabschiedet werden?

Verschiedene Fachgruppen (Lehrer, Schulämter, Kultusministerium etc.) beschäftigen sich seit langem mit einer Reform. Im Juni wurden alle Schulen angeschrieben. Das vorgestellte Reformmodell sollte diskutiert werden und bis Ende Juli in erste Verbesserungsvorschläge aus der erweiterten Praxis führen. Kultusminister Flath hat uns Parlamentariern zugesichert, dass Vorschläge nach dem Juli selbstverständlich berücksichtigt werden. Vielleicht war die Zeugniszeit weniger geeignet, um das Vorhaben zu diskutieren, aber über die Sommerferien sollten sich die Betroffenen eine Meinung bilden können. Nach der Sommerpause werden sich auch der parlamentarische Schulausschuss und der Landtag mit dem Thema noch ausgiebig befassen. Die Einführung ist für das Schuljahr 2007/2008 vorgesehen.

2. Warum folgt man den Bedarfsmeldungen der Wirtschaft (unglaublich viele Ingenieure werden z.B. zukünftig gesucht) und nicht den Neigungen der Schüler?

Schule hat auch den Auftrag, auf das berufliche Leben vorzubereiten, oder? Wer hat sich nicht schon geärgert oder war für sein Berufsleben schlecht vorbereitet, weil er die falschen Fächer belegt hatte - vielleicht sogar aus Bequemlichkeit.
Mit der Differenzierung der Vertiefungen in den verschiedenen Chemnitzer Gymnasien und die sogenannten § 4-Regeln wird eine große Vielfalt für die persönliche Neigungsverfolgung geboten. Nicht umgangen werden können die Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz (02.06.2006), die zwei Leistungskurse aus den Bereichen Deutsch, Mathematik, Fremdsprache und Naturwissenschaften festgelegt hat. In Sachsen, dem Land der Ingenieure, sollen der naturwissenschaftliche Leistungskurs (5 Stunden) durch drei naturwissenschaftliche Fächer (3x2=6 Stunden) ersetzt werden, um (a) ein breiteres Wissen zu schaffen und (b) nicht das erste Studienjahr z.B. Physik vorwegzunehmen; es heißt ja ‚allgemeine’, nicht ‚spezielle’ Hochschulreife.

3. Ist gibt auch weitere vertiefende Leistungskurse?

Das ist möglich, z.B. an § 4-Gymnasien als dritter Leistungskurs aus dem Vertiefungsprofil der Schule. Weitere Lösungen werden derzeit diskutiert. Die hierfür notwendigen Mehrstunden führen nicht zu einer Übersteigerung der 35 Pflicht-Wochenstunden, da im Gegenzug ein oder evtl. zwei Fächer entfallen können. Es bleibt dann bei max. 35 Stunden. Solche Vertiefungen sind sicherlich nicht an allen Stellen in Sachsen einzurichten, da erhebliche Kapazitäten dafür vorgehalten werden müssen. Die Auswahl der geeigneten Standorte muss sich an den vorhandenen Kompetenzen, der tatsächlichen Schülernachfrage und der Zentrenkonzeption des Freistaats orientieren.

Die für § 4-Gymnasien notwendigen Eingangstest erfolgen übrigens zentral und werden durch ein persönliches Gespräch mit der Schule ergänzt.

An sprachlich-vertiefenden Gymnasien wird häufig ein Fach in der Fremdsprache unterrichtet. Dadurch könnten Pflichtstunden in der Fremdsprache frei und zu einer weiteren Vertiefung eingesetzt werden. Hierüber sollten wir nachdenken.

4. Warum ist nur Kunst oder Musik zu wählen?

Es können bei geeignetem Angebot der Schule auch beide Fächer belegt werden. Dafür könnte die Schule einen fachübergreifenden Grundkurs (Wahlbereich) für das jeweils andere Fach anbieten. Wahlfächer ersetzen andere Pflichtfächer.

5. Bedeutet die Wahl aus dem Wahlbereich dann 35 + 2 = 37 Wochenstunden?

Nein, es bleibt bei 35 Stunden. Ein Wahlkurs substituiert einen anderen Kurs. Details der Ersetzbarkeit sind noch abzustimmen. Das betrifft auch die Regelung zur Befreiung vom Sportunterricht gegen Attest. Es bleibt bei 35 Stunden maximal.

Bei der Substitution sind die Klassenstärken und unterschiedlichen Substituierungswünsche der Schüler einer Klasse zu berücksichtigen. Bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 23 Schülern (10. Klasse) und Grundkursgrößen von max. 24 Schülern sollte ein Ausgleich der Interessen möglich sein.

Informatik als Wahlfach stellt übrigens eine intensive Behandlung dieses Fachs dar. Informatorische Grundlagen werden in vielen anderen Fächern, angewandt oder theoretisch, vermittelt. Vorschläge für eine Verbesserung im Sinne dieses von allen Schüler grundhaft zu beherrschenden Bereichs könnten in die Lehrplangestaltung eingehen.

Das Angebot der Wahlbereiche ist so unterschiedlich wie die Schulgrößen und Regionalbedingungen im Freistaat. Zukünftig sollten wir das derzeit in Dresden getestete Modell der Budgetierung von Lehrerstunden ausweiten. Eine Budgetierung ermöglicht die flexible, schulbezogene Schaffung von individuellen Angeboten, welche mit der derzeit noch recht fixierten Lehrerzuweisung nicht erfolgen kann.

6. Wie komme ich auf meine 600 Pflicht-Punkte?

Zunächst einmal durch Bestleistungen. 600 Punkte sind 40 Halbjahresnoten mit der Bestpunktzahl 15. Bei 13 Pflichtfächern x 4 Halbjahre sind 52 Kurshalbjahre nach der Reform anzurechnen, die Leistungskurse zählen doppelt, folglich 52 + 2 LK x 4 = 60 Kurshalbjahre. Es wären dann theoretisch 900 Punkte möglich. Die Formel lautet aber: Erreichte Punktzahl x 40 / 60. Es wird also jede Note mit 2/3 gewichtet.

7. Geht es nicht eigentlich um Einsparungen?

Nein, dieses Thema ist auch nach Auskunft der an der Modellentwicklung beteiligten Lehrer nicht der Anlass für die Reform gewesen. Es geht um die Sicherung ausreichender Breite und Tiefe des Unterrichts sowie Bewältigung der durch die Bevölkerungsentwicklung (zu wenig Geburten = weniger Schüler) entstehenden Probleme. Sachsen leistet sich mit die beste Schüler-Lehrer-Relation. Im anstehenden Doppelhaushalt 2007+2008 sind nochmals deutliche Investitionssteigerungen in die Schulen vorgesehen.

8. Das sächsische Abitur wird schwerer. Wenn mein Abi-Schnitt-schlechter wird, habe ich Bewerbungsnachteile an den Hochschulen?

Richtig, in Sachsen wird nichts verschenkt. Andere Parteien fordern da schon mal die Freigabe von Noten, die Erhöhung der Abiturquote usw., überspitzt gesagt Abitur für alle. Dann hilft das den Hochschulen und Betrieben auch nicht bei der Auswahl, abgesehen von dem Selbstbetrug der Schüler. Nur durch Leistung können wir uns an der Spitze behaupten. Schon heute ist das sächsische Abitur bundesweit sehr anerkannt. Der ehemalige Kultusminister Dr. Rößler (CDU) ist sogar Vorsitzender der PISA-Kommission in Hamburg geworden, da man dort manches von Sachsen übernehmen möchte (wie übrigens auch in anderen Bundesländern, denken wir nur an das 12-jährige Abitur). Übrigens verändern auch andere Bundesländer ihre Schul- und Prüfungssysteme.

70% unserer studierenden Gymnasiasten gehen auf sächsische Hochschulen. In Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst muss daran gearbeitet werden, die besonderen Leistungen sächsischer Gymnasiasten in geeigneter Form bei der Bewerbung um Studienplätze zu berücksichtigen.

9. Warum wurde die Bildungsempfehlung von 2,0 auf 2,5 gesenkt?

Das war eine Forderung des Koalitionspartners. Und ich erinnere mich an viele Elterngespräche, die sich bei notwendigen 2,0 um die Zulassung ihrer Kinder zum Gymnasium und damit zum Abitur und evtl. Studium sorgten. Jetzt werden Stimmen lauter, die von 2,5 wieder zurück wollen, weil zum einen gute Schüler statt auf die Mittelschule aufs Gymnasium gelenkt wurden und zum anderen das Qualitätsniveau an den Gymnasien wieder angehoben werden müsse.

10. Warum gibt es kein bundesweit einheitliches Schulsystem?

Deutschland hat eine föderale Struktur. Die nach PISA beurteilten sächsischen Schüler gehören international zum oberen Drittel und sind die zweitbesten in Deutschland. Wenn das Bildungssystem vereinheitlicht würde, dann orientiert es sich vermutlich nicht an den Besten. Wollen wir wirklich unsere Erfolge aufgeben und uns nach unten anpassen müssen? Die Anerkennung der Schulabschlüsse und die meisten Lehrinhalte sind sowieso indirekt über die Kultusministerkonferenz vereinheitlicht. Ohne Not kann ich mir nicht vorstellen, warum wir unseren Vorsprung abgeben sollen.

Zu guter letzt: Sächsische Schüler haben in weltweiten Tests ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig bewiesen. Sie gehören zum oberen internationalen Drittel. Unsere Mittelschulen sind ein Erfolgsfaktor, der auch die Hauptschüler bestmöglich integriert. Dies sollten auch alle diejenigen anerkennen, die sich leider bemüht sehen, unsere Schüler als für die Ausbildung ‚ungeeignet’ oder auf das Studium ‚unzureichend vorbereitet’ zu belegen. Wir müssen die Starken stärken, denn Sachsen kann nur dann genügend Arbeitsplätze anziehen, wenn die Mitarbeiter TOP sind. Und wir müssen die Schwachen mitziehen und individuell motivieren, denn nur gemeinsam schaffen wir ein Bewusstsein um Leistung und Erfolg. Unsere Schüler tun gut daran, ihre reifende Eigenständigkeit und ihr Selbstbewusstsein nicht in unüberlegte und vielleicht zu frühzeitige Fächerabwahl, sondern weiterhin in Leistung umzusetzen. Zusätzliche individuelle Neigungen können mit besonderem Engagement im zunehmenden Ganztagsschulbereich ergänzt werden, nicht in einer von manchen Kräften gewollten Einheitsschule.

Ich biete allen Lesern dieser Gedanken in meinem Wahlkreis gerne an, Verbesserungshinweise alsbald zu diskutieren und gemeinsam auf den Weg zu bringen: Tel. 0371-3560594 oder Peter.Patt@CDU-Chemnitz.de.# © Peter W. Patt, Mitglied des Sächsischen Landtags

Gymnasien in Chemnitz:

1. Dr.-Wilhelm-André-Gymnasium:
 mathematisch-naturwissenschaftlich
 musisch
 Englisch  Französisch
 Latein AG Sprachen: Hebräisch
 Französisch Englisch/Cambridge-Abschluss

Henriettenstraße 35
09112 Chemnitz
E-Mail: gym-andre@schulen-chemnitz.de
Tel.: 0371 382140

2. Georgius-Agricola-Gymnasium:
 mathematisch-naturwissenschaftlich
 sprachlich
 vertiefte sprachliche Ausbildung (bilingual englisch)
 Englisch  Latein  Spanisch  Französisch
 AG Sprachen: Russisch u. Hebräisch

Park der Opfer des Faschismus 2
09111 Chemnitz
E-Mail: gym-agricola@schulen-chemnitz.de
0371 381320

3. Gymnasium Einsiedel (behindertenintegriert):
 mathematisch-naturwissenschaftlich
 sprachlich
 Englisch  Französisch  Latein  Spanisch

Niederwaldstraße 11
09123 Chemnitz
E-Mail: gym-einsiedel@schulen-chemnitz.de
Tel.: 037209 6980

4. Johannes-Kepler-Gymnasium:
 mathematisch-naturwissenschaftlich
 vertiefte mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung
 Englisch  Französisch  Latein

Hans-Ziegler-Straße 6/8
09127 Chemnitz
E-Mail: gym-kepler@schulen-chemnitz.de
Tel.: 0371 909975

5. Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium:
 mathematisch-naturwissenschaftlich
 sprachlich
 Englisch  Französisch  Latein

Bernsdorfer Str. 126
09126 Chemnitz
E-Mail: gym-goethe@schulen-chemnitz.de
Tel.: 0371 520700

6. Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium:
 sprachlich
 mathematisch-naturwissenschaftlich
 Englisch  Latein  Französisch  Griechisch  Altgriechisch AG Hebräisch  Russisch
 Cambridge-Kurs

Irkutsker Straße 127/129
09119 Chemnitz
E-Mail: gym-karl-schmidt-rottluff@schulen-chemnitz.de
Tel.: 0371 382150

7. Sportgymnasium:
 vertiefte sportliche Ausbildung
 Englisch  Russisch  Französisch

Reichenhainer Straße 210
09125 Chemnitz
E-Mail: gym-sport@schulen-chemnitz.de
Tel.: 0371 4884600

8. Sonstige:
Abendgymnasium
Arno-Schreiter-Straße 3
09123 Chemnitz
Tel.: 26 20 73 60

Private Gymnasien oder gymnasiale Oberstufen von privaten Anbietern gibt es (derzeit) nicht.
Das nächstgelegene ist das Europäische Gymnasium in Waldenburg.

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