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Wirtschaft und Arbeit - arm im Alter?
1. Die Rentenkasse wurde als Aufstockung zur familiären Altersversorgung, also der persönlichen Sorge und Pflege der jeweils jüngeren Generation für ihre Eltern begründet. Die Jungen geben damit das ‚zurück’, was sie während der Kindheit und Schul-/ Ausbildungszeit von ihren Eltern bekommen haben. Für Ausgaben, die nicht persönlich erbracht werden konnten, sollte auf Anraten von Bismarck eine zusätzliche Geldleistung aus der Rentenkasse dienen. Diese ergänzt, aber ersetzt nicht die persönlichen Leistungen der Angehörigen.

Der Bedarf an Altersversorgung entstand im Zuge der Industrialisierung auch durch das Auseinanderfallen von Wohn- und Arbeitsort, die in der Agrargesellschaft meist identisch waren. Dabei blieben die Alten häufig mehr oder weniger allein auf dem Land zurück, während die Jungen in die durch die Industrialisierung wachsenden Städte zogen; zu beobachten ist die heute noch in den osteuropäischen Ländern. Mit Zunahme dieser Verstädterung stieg der Bedarf an Alterssicherung ohne Rückgriff auf die familiären persönlichen Ressourcen. Unerwartet und auch nicht erwartbar war zur Einführung der Rentenversicherung übrigens die heutige Lebenserwartung, wobei das Renteneintrittsalter unter Bismarck 70 Jahre betrug.

2. Der Begriff „in die Rente einzahlen“ ist irreführend. Man zahlt eben nicht in eine Art Sparbuch ein, aus dem man im Alter Zinsen in Form von Rente bekommt (Kapitaldeckung), sondern die jeweils berufstätige Generation bezahlt mit ihren Rentenversicherungsbeiträgen die Rente der jeweils verrenteten Generation (Umlagefinanzierung). Weil die Renteneinzahlungen heute schon nicht ausreichen, um die Rentenansprüche der Alten zu befriedigen, kommen weitere rd. 80 Mrd. Euro aus der Staatskasse, also den Steuerzahlungen der Berufstätigen hinzu.

3. Je kleiner die nachfolgenden Generationen werden, desto weniger Zahler müssen sich die Lasten teilen. Entsprechend sind die immer weniger werdenden Zahler nicht ausreichend, um alle Ansprüche zu befriedigen. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist nämlich jede Generation um ein Drittel kleiner als die vorherige (Geburtenziffer 1,4 statt 2,1). Den notwendigen Bezug zu einer ausreichend großen Bevölkerung hat man damals übergangen, weil es nicht vorstellbar war, dass Menschen keine oder nur wenige Kinder bekommen wollen (Adenauer habe gesagt „Kinder bekommen die Leute immer“). Und zu dieser Zeit hoher Kinderzahlen waren die materiellen Umstände weitaus schwieriger als heute. Eine Umlagerente kann nur funktionieren, wenn ein Dreigenerationenvertrag geschlossen wird und nicht nur, wie derzeit gültig, ein Zweigenerationenvertrag zwischen den Arbeitenden und den Rentenempfängern, also ohne Koppelung an die Erziehungsleistungen für eine dritte Generation.

Wie müsste der Dreigenerationenvertrag als Voraussetzung für ein Umlagesystem funktionieren? Die Beitragsabgaben an die Rentenversicherung stammen von der berufstätigen Bevölkerung und entsprechen den gleichzeitigen Auszahlungen an die Rentenempfänger. Die mit diesen Beiträgen erworbenen Ansprüche für die eigene Altersabsicherung ist wiederum abhängig von der Erziehungsleistung für eigene Kinder, denn bei eigenem Renteneintritt müssen ja genügend Beitragszahler vorhanden sein, damit man selber Rente kassieren kann. Wenn es in Deutschland aber immer weniger Kinder und damit später berufstätige Menschen gibt und mit ihnen folglich das Abgabenpotential ebenso wie das volkswirtschaftliche Potentialwachstum sinken, bleiben den Einzahlern zwar grundsätzlich Ansprüche (Rentenpunkte), diese sind aber nicht in absoluten Beträgen kalkulierbar, sondern immer nur ein relativer Anspruch, also ein Anteil an dem zur Verteilung anstehenden Beitragsvolumen, welches von der berufstätigen Bevölkerung stammt. Kurz gesagt: Wenn nichts in die Kasse kommt, kann auch nichts verteilt werden. Zur Lösung dieses Problems werden wohl auch Einnahmen aus anderen Produktionsfaktoren wie Boden und Kapital abgabepflichtig werden müssen, damit es reicht. Eine andere Lösung ist beispielsweise die Steigerung der Zuwanderung, wenn wir nicht genügend Kinder bekommen.

4. Die Sicherung des materiellen Wohlstands oder zumindest einer „Auskömmlichkeit“ im Alter basiert folglich auf drei Säulen: Erstens die persönliche Betreuung innerhalb der Familie, zweitens eine persönliche Vorsorge aus Betriebsrente und Kapitalansparung und drittens die von der arbeitenden Bevölkerung gewährte (Grund-) Rente. Nicht jeder kann alle Säulen bedienen, weswegen die Grundrente einen Mindeststandard innerhalb der Sozialgemeinschaft abdecken muss, wofür aber auch die Kapital- und Grundbesitzeinkommen heranzuziehen sind. Denn Arbeit gehört zum Wesen des Menschen und muss sich lohnen, darf also nicht gegenüber Erträgen aus Kapital- und Grundvermögen schlechter gestellt sein.

Fazit: Ohne (eigene) Kinder geht es nicht!

Ihr Peter W. Patt

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